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1. Gesprächsnotiz (Anschlagsvorbereitung) Freitag, 02. Oktober 2009 15:10 Uhr, Rund’s Hof (Scheune) Augenzeuge: J. Kleeblatt
Da stehe ich also an der Pforte des Wahnsinns, an der Schwelle der Vernunft, die hier zu enden scheint. Am Pfad zur Erleuchtung (für die Einen) und dem Pfad zur dunklen Seite (für die Anderen). An der Verbindung zwischen den Welten, am Rande der Normalität, der Realität, der anderen Realität, der Absurdität, an der Grenze zur Fiktion, einen Fußtritt nur entfernt. Ich stand… nein anders ausgedrückt, ich stehe bei Charly Rund vor der großen Scheune. Genauer gesagt vor der Tür ins Reich der Lust und Laune. Und schwubs, zack, na hoppla… die Tür ist ja auf. Ja Mensch dann kann ich ja rein gehen wa, wenn ich schon so frei eingeladen werde. Schön das Beinchen heben (nein pfui jetzt) und ab ins Dunkel, die Erleuchtung finden. Hier wird’s ja Licht geben, zumindest einen Schalter oder? Und siehe da es werde Licht. Was Gott kann kann ich schon längst, zumindest in gewisser Hinsicht ohne übertrieben Blasphemie hier herrschend werden zu lassen. Die herrscht nämlich oftmals rigoros und haut dort hin wo kein Gras mehr wächst. Sie könnte quasi mein Zwilling sein. Was ich dann sah, nachdem sich die Augen an die Helligkeit gewöhnten, die so verblendend über mich gekommen war, ist mit einfachen Worten schlecht zu beschreiben, deswegen ließ ich auch Taten sprechen, und das in großen langen Sätzen! Aber was wäre ich alleine? Alleine ist man nichts, gemeinsam ist man stark! Oft zitiert, selten so passend und zutreffend wie bei uns an diesen und den nächsten Tagen, speziell dem letzten Tag nach der großen Katastrophe. Ich denke an nichts anderes mehr, seit Tagen und seit Wochen. Schrecklich… Wie dem auch sei, sei es drum, ich dreh mich um, und erblicke noch mehrere von meiner Sorte. Da stehen sie alle, die Brüder die gekommen sind und zwar genau wie ich, zu helfen wo zu helfen ist. Das Fest will vorbereitet werden, und jawohl, wir springen und helfen das es wird! Wird schon werden. Ein Selbstläufer also? Denkste! Das einzige was selbst lief war das Bier und die Musik am Samstag. Irgendwie lief Letzteres so lange ununterbrochen durch, bis man schon fließend bayrisch fluchen oder schreien konnte (oder lustvoll stöhnen). Aber ich schweife ab, tu ich gelegentlich ja immer gerne und oft und viel und viel zu lange und… jetzt schon wieder. Ich war ja noch beim Freitag, aber viel gibt’s hier nicht zu berichten, außer das die Scheune fröhlich bayrisch in blau und weiß eingerichtet und alles vorbereitet wurde, samt „Spielplatz“ für Erwachsene. Codename: Oldendorfer B3. Um 17:00 Uhr musste ich leider den Spielpl… äh die Scheune verlassen, die Zeche prellen, vorläufig. Ich hatte noch Feuerwehrdienst. Was ich danach um ca.19:00 Uhr erblickte? Nun eine ganze Menge. Vieles war geschafft und vorbereitet für den morgigen Tag, und im Prinzip tranken wir schon einmal genüsslich vor. Geschmacklich 1a sag ich euch. War ja auch nicht anders zu erwarten! Der Anschlag aber leider Gottes, hatte somit schon begonnen. Unwissenheit schützt eben vor Strafe nicht…
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2. Gesprächsnotiz (Anschlagsbeginn) Samstag, 03. Oktober 2009 10:30 Uhr, Rund’s Hof (Scheune) Augenzeuge: Jörn K.
So, wo war ich stehen geblieben…? Da. Da seht ihr mal. Die ersten Anzeichen vom Anschlag waren auch bei mir schon zu vernehmen… wie schnell so was doch geht. Aber… ach so schlimm wird’s schon nicht werden. Weiter geht’s. Am Samstag ging es das und munter drauf los und im Prinzip heiter weiter. Also nichts auf Anfang, nicht alles auf 0, sondern Freitag einfach die Stopp Taste gedrückt und heute die mit Play gefunden, auf Sie mit Gebräu! Es wurde das umgesetzt was sich am Tage vorher schon erahnen ließe: Fließt das Bier dann feiern wir denn Alkohol und stramme Weiber, sind die schönsten Zeitvertreiber! Und wie das floss. Bier in all seinen Variationen: Humpen-Bier, Weizen-Bier, normales-Bier, Kopf-aua-Bier, Körper-Bier… ich kann euch sagen, schön war’s nicht, klug schon gar nicht… aber geil! Aber ich merke schon ich greife grade weiter vor als erlaubt, ähnlich wie ein Busengrabscher in nem Striptease Club. Also ich kam an diesem Morgen gegen 10:30 Uhr an und half schnell mit, den Rest Saloonfähig zu gestalten. Zumindest so saloonfähig das die Gäste sich hier wohl fühlen konnten. Nun, wie ich gehört habe taten sie es auch, denn schließlich sah man überall nur strahlende Gesichter. Aber Morgen dann… uuh, mir graust wenn ich nur daran denke. Ein Albtraum sondergleichen aber wir sind selber schuld. Um 11:00 Uhr waren es dann die ersten Gäste, die unserer Einladung gefolgt waren und den Frühschoppen der Faslamsbrüder erleben wollten. Sie erlebten einiges. Die Spiele die rundherum als Rahmenprogramm aufgebaut waren kamen klasse an: Wettnageln war der Hit (nicht an der B3), Bierkrug rutschen sowie Fingerhakeln einige weitere, aber das Highlight schlecht hin war das Bierkrug-Stemmen. Ich hatte mal so keine Chance. Verwaltungsarme können halt grade einmal einen Stift ne viertel Stunde halten, oder damit tricksen. Was willst da machen? Die Zapfe lud uns auch ständig und unanständig ein sich an ihr zu vergehen, noch dazu wo doch alles umsonst (nein quatsch, kostenlos!) angeboten wurde, und schon war die Tarnung, die Blendung des Anschlages komplett! Ein Erlebnis sondergleichen. Galt im Übrigen auch für das lecker angelieferte Bayrische Essen samt Weischwurscht satt gell. Oh ischt das lecka. Saubazi A! Ein geiler Tag, das kann, das muss, das WILL ich sagen. Der Frühschoppen zog sich hin und her und her und hin, und in der mukeligen Scheune vergaß man manches mal wie spät es schon gewesen ist oder wahr oder ob überhaupt noch Tag wäre oder welche Jahreszeit? Einfach alles… Nun es war noch Tag, und es war wie mit nem warmen Waschlappen in die Fresse, wenn man raus ins Freie trat. Heidigeidi, das war nicht mehr schön. Wir merkten natürlich erst alle zu spät was passieren würde, was passiert war. Hat halt einfach alles zu gut geschmeckt! Nach und nach reduzierte sich die feiernde Brüder und Sympathisanten Schar um ein vielfaches, aber einige wenige (mich eingeschlossen), wollten einfach noch nicht nach Hause. Wir wollten noch weiter! Weiter nach Soderstorf, wo abends spät noch eine Party auf uns warten würde. Wir verhalfen dem somit Anschlag ein weit aus größeres Ausmaß annehmen zu lassen, als er sich selber in seinen Planungen vorgestellt hatte. Das Ausmaß war gewaltig. Immer mehr von uns verfielen der akuten Heimsucht und verschwanden vorerst von der Bildfläche. Weiteren Augenzeugen Berichten zur Folge, mit denen ich gesprochen habe, konnten die Personen teils nicht mehr richtig reden geschweige denn noch gehen oder sich sinnvoll und sinnig bewegen. Alkohol du böser Geist… Nachdem ich nunmehr kurz davor war den Kampf zu verlieren (ich schlief irgendwie kurz in Soderstorf sitzend auf den Tisch ein, bis ich mir den Kopf auf der Tischplatte stieß), es grade einmal 22:00 Uhr war und ich dachte es wäre schon mal 02:00 oder 03:00 Uhr (Alkohol du böser Geist Teil II) und ich mir dachte: „Alter, du wirst hier noch bescheuert!“, wurde ich es zur Überraschung aller doch noch nicht und hielt noch mit meinen Gefährten wacker bis zu eben jener Zeitgrenze 03:00 Uhr durch. Leider musste sich bei der Rückfahrt und der Flucht aus der Gefahrenzone, Bruder Arne als eines der letzten Opfer das sich der Anschlag nahm, verzeichnet werden. Seine Aussprache im Moment der Klarheit darüber (hast grad zuhgtrezu juki..?!) war entsprechend nicht mehr so klar und ließ mehr Fragen als Antworten offen. Unser Fluchtwagen Fahrer Dirk mit Ö Hagemann schaffte es aber schließlich, uns alle in Sicherheit zu bringen. Die Kurve gekriegt, dem Teufel von der Schippe gesprungen. Ich war heilfroh darüber, das könnt ihr mir glauben!
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3. Gesprächsnotiz (Anschlagsfolgen) Sonntag, 04. Oktober 2009 10:30 Uhr, Feuerwehrgerätehaus (FFO) Augenzeuge: J. K.
Was soll ich euch noch sagen. Es war der Wahnsinn. Das Ausmaß der Katastrophe war gigantisch, nicht mehr abzuschätzen, nicht mehr einzuschätzen, nicht mehr sicht- und erfassbar, schlichtweg… ja, einfach schlimm! Ich selber habe mich erfolgreich dem Anschlag erwehrt, erfolgreich gekämpft und nicht verloren: Ich konnte morgens aufstehen, und das rechtzeigig! Einzig an den Aufräumarbeiten konnte ich heute Morgen nicht teilnehmen, da ich bei der Feuerwehr Dienstlich morgens eingebunden war. Was mir jedoch zu Ohren und Augen kam, ist einfach eine Katastrophe! Um ca. 14:00 Uhr sahen wir am Feuerwehrhaus, nachdem die letzten Läufer die HEU-Lauf Passage Oldendorf erfolgreich genommen haben, 5 Gestalten sich dem Sportplatz nähern. Es waren die Brüder, die vom Aufräumen kamen. Geduldig wartete ich wer da denn noch alles so kommen mag… aber… da kam keiner mehr, das war’s. Ja wie jetzt das war’s? Das war es tatsächlich! Mehr als 5 haben den Weg in die Scheune nicht geschafft, mehr als 5 haben den Anschlag augenscheinlich nicht überlebt oder ohne langwierige Blessuren überstanden: 5 ganze Brüder! Jungs das geht so nicht, das war erschreckend. Das darf uns nicht passieren. Wir haben den Feind doch kommen sehen, ihn sogar eingeladen, ihn zum Kernpunkt unseres Festes gemacht. Einer Feier, die wir alle genossen und großzügig genutzt haben. Aber mal im Ernst: Der Feind darf uns doch nicht besiegen, kann uns nicht besiegen. Diese Hassliebe. Das wäre doch in etwa so, als wenn auf einer Feier bei uns mehr Wetzer als Oldendorfer wären, schlicht weg also unmöglich und unvorstellbar. Aber genau so ist es fast gekommen. Freunde. Macht euch bitte Gedanken darüber, hinterfragt euch selber und kommt dann bitte zum Ergebnis, das der Feind nur die Schlacht, aber nicht den Krieg gewonnen hat! Dieser Anschlag hat uns zwar ins Mark getroffen, aber uns dann doch nicht in die Knie gezwängt. Denn wir sind härter als jedes Bierglas, stärker als jede alkoholische Prozentzahl, und besser als unser Aufräumruf der letzten Jahre! Wir sind die Oldendorfer, und wir sind einzigartig! Sorgt dafür das das auch lange noch so bleibt!
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4. Gesprächsnotiz (Gedanken vor dem Anschlag) Freitag, 02. Oktober 2009 06:15 Uhr, Dieszelbünte 1 (Oldendorf/Luhe) Augenzeuge: Jörn Kleeblatt
Das Aufwachen am Morgen war fantastisch. Das Wetter schön wie immer (Regen natürlich, nichts als Regen) und die Arbeit erwartete mich auch. Vorher aber wollte ich noch einmal meine E-Mails durch schauen, wer weiß was abends noch gekommen ist. Und siehe da, da war doch eine neue mit dabei. Eine gar nicht so unwesentlich unwichtige, nämlich die, die mir sagte wann das Oktoberfest Auf- und Abgebaut werden sollte. Von Feiern stand da auch noch was. Ich fand die E-Mail gut. Okay sonderlich begeistert war auch ich nicht darüber, für den Dankeschöntag noch vorher und nachher zu ackern aber hey, mit gehangen mit gefangen. Einer für Alle und Alle für einen. Gemeinsam packen wir das, und packen es an. Gesagt getan und schließlich kann man Samstag dafür ja auch kostenlos Vollgas Feiern. Das ist doch mal was, hat man auch nicht alle Tage. Nach ein paar Minuten war meine Laune also wieder gerettet, denn ich wusste warum wir das hier alles tun und warum es nötig ist was nötig ist um bestmöglichen Spaß zu haben: Weil wir es für uns tun und keinen sonst! Und mal ehrlich meine Brüder: Für sich selber tut man doch alles am Liebsten oder nicht? Also lasst uns weiterhin nach vorne schauen, Mund abwischen weiter geht’s, damit wir auch in Zukunft wieder sagen können: Einer für Alle und Alle für Einen. Für unseren Verein, für Oldendorf!
- Der Vereinspoet -
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